Verfasst von: faucone | 18. 6. 2009

Anfänge

Lässig saß er da, ein Bein angewinkelt, ein schmales Gesicht, ein ein weites, um ihn herum schlackerndes T-Shirt, eine zerrissene, dreckige Jeans, schmutzige, sehnige Arme die in knochige aber scheinbar nicht ungeschickte Hände übergingen, Füße in alte, fast durchgelaufenen Sandalen, und etwas auf dem Kopf, was man vor einer gewissen Zeit vielleicht ein Basecape hätte nennen können.

Einzeln müssen sie stehen, ganz für sich, allein, verlassen. Traurig. Denn ihr eigentliches Ziel ist die Gemeinschaft, ein großes ganzes, etwas allumfassendes. Dann sind sie glücklich und vor Freude fließen sie ineinander und umarmen sich, teils innig und verliebt.

Ich verändere mich. Ständig, täglich, minütlich, sekündlich. Meist sehe ich diese Veränderung als etwas Positives an, als Fortschritt, der notwendig ist, um weiter zu kommen.

Sie haben die oben erwähnte Patientenverfügung bei vollem Bewusstsein mit bestem Wissen und Gewissen persönlich ausgefüllt, und sind immer noch der Ansicht, das dies der richtige Weg ist? Ein stummes Nicken. Wann würde das endlich aufhören. Immer wieder Formulare, immer wieder die selben Fragen, nur die Leute änderten sich von Zeit zu Zeit.

Mein Leben ist ein Fluss von Ereignissen. Fröhliche Ereignisse, traurige Ereignisse, …

Die Gegenwart, der Augenblick. Sie ist es, was wir mit Realität bezeichnen. Es gibt etwas außerhalb von uns, das wir wahrnehmen, was auf uns wirkt

Einige Gefühle sind schwerer zu beschreiben, als andere. Ich habe gerade eines davon: ich bin ich selber. Und ich habe keine Ahnung, ob das nachvollziehbar ist.

Leise klopfte sie an die Tür und wartete eine Weile. Innen hörte sie Geräusche, die vermuten ließen, dass Dinge bedächtig zur Seite geräumt wurden.

Feuerrot versank die Sonne in den schäumenden Fluten. Der weiße Sand erglühte, bevor er endgültig in das einheitliche grau der Nacht überging. Schweigend sahen die beiden Männer dem Schauspiel zu, was sich ihnen von der Veranda ihrer Ferienhütte aus bot.

Sanft legte er seinen Arm um ihre Schulter. Sie schauderte. Langsam wandte sie ihren Kopf, um ihn anzuschauen. „Wie kannst du?“ Das Erstaunen, und die Angst, sich doch zu irren, schienen sie wie eine Wolke zu umgeben.

Langsam lief sie weiter wobei sie ihre Augen über das Wasser schweifen ließ. Der Fluss glitt ruhig dahin, ganz im Gegensatz zu ihren Gedanken, die aufgewirbelt waren und einander jagten oder von Strudeln eingesogen wurden.

Gemütlich kuschelte sie sich in die weiche Decke und hörte dem Regen zu.

„Sie wünschen?“  Er grinste breit.  „Das wissen Sie. Das Beste!“  „Selbstverständlich.  Sie sind mit dem anderen zufrieden?“ „Mehr als zufrieden, danke vielmals.“  „Das Beste… genau genommen gibt es das nur einmal. Sie wissen, dass man eigentlich nur eines besitzen darf?“  „Natürlich.“  Noch ein Grinsen.

„Guten Tag! Sind sie Herr Mayer? “ „Ja?“ „Freut mich, ich bin Frau Stöckel, die Organisatorin dieses Programmes. Von mir erhalten sie die ersten einführenden Informationen. Wie ich sehe, scheinen sie sich ja an die Vorgaben gehalten zu haben, das freut mich.“ „Was wäre, wenn das anders gewesen wäre?“
Ein wenig hatte er ja schon überlegt, ob die Vorgaben nicht etwas zu strikt waren und er sie heimlich doch nicht so streng sehen sollte. Aber er hatte sich dagegen entschieden und war bereits ein wenig stolz auf seine Entscheidung.

Verfasst von: faucone | 13. 5. 2009

Prüfungen

Leise klopfte sie an die Tür und wartete eine Weile. Innen hörte sie Geräusche, die vermuten ließen, dass Dinge bedächtig zur Seite geräumt wurden.
Herein?
Langsam öffnete sie die Tür.
Ihr habt mich rufen lassen, Meister?
Ja.
Mit der gewohnten Handbewegung wies er sie an, vor ihm nieder zu knien.
Ich habe einen Auftrag für dich.
Sie senkte den Kopf um ihre Aufmerksamkeit zu signalisieren und um zu zeigen, dass sie bereit war zu tun, was man ihr auftrug.
Du kennst die Uhr im höchsten Turmzimmer?
Wieder nickte sie.
Bring sie her!
Erstaunt sah sie auf.
Habe ich dir erlaubt aufzusehen?
Nein Meister.
Schnell senkte sie ihren Kopf.
Sehr gut so. Bring sie zu mir. Doch vorher öffnest du sie und legst an, was du in ihr findest. Hast du mich verstanden?
Ja Meister.
Gut. Du weißt, was deine Belohnung sein kann, wenn du dies bis Mitternacht schaffst. Und nun geh und enttäusche mich nicht!
Verwirrt erhob sie sich und verließ den Raum.

Was hatte das zu bedeuten? Seid sie hier war hatte sie unzählige Aufträge erfüllt, größere und kleinere. Jeder der hier lernte, tat dies. Im Grunde genommen, war es die Art, wie man hier lernte: man erledigte einen Auftrag für einen Meister und nachher bekam man etwas von dessen Wissen mitgeteilt. Die Reihenfolge mit der man die Meister durchlief war sehr genau festgelegt und für jeden gleich. Die Aufträge dagegen waren unterschiedlich. Sie wurden individuell vergeben, je nach Persönlichkeit, Wissensstand, Neugier und Reife des Schülers. Manchmal waren es kleine Tests, manchmal Dinge, die erledigt werden mussten; manchmal war offensichtlich was zu tun war, bei anderen ergab sich das erst mit der Ausführung. Auch die Schwierigkeit war verschieden, doch war es im allgemeinen so, dass sie mit zunehmendem Lernfortschritt ebenfalls zunahm. Wie gesagt, alle Aufträge waren verschieden bis auf zwei Ausnahmen: der erste und der letzte Auftrag. Den ersten Auftrag kannte natürlich jeder, doch der letzte Auftrag war ein gut gehütetes Geheimnis und nur den Meistern bekannt. Eine weitere Besonderheit war, dass diese beiden Aufträge von ein und dem selben Meister erteilt wurden, da der erste Meister auch der letzte war. Bei allen anderen Meistern lernte man nur einmal, doch dieser hatte die Ehre alle neuen Schüler einzuweisen und alle Absolventen der Schule zu verabschieden. Der erste Auftrag war einfach: man musste nur den Weg zum höchsten Turmzimmer finden und von der Uhr die aktuelle Zeit ablesen. Jeder neue Schüler nahm das sehr ernst, worüber immer wieder Witzeleien gemacht wurden. Denn die Zeit, die die Uhr zeigen würde, war für jeden Schüler gleich: sie zeigte genau null Uhr, wenn der Schüler Raum betrat. Wenn er dann mit dieser Information zu seinem Meister zurückkehren wurde, würde dieser ihm verbieten, von nun den Raum im Turm zu betreten bis er eine anders lautende Anweisung erhielt. Dies war die erste Lektion, die jeder neue Schüler lernte.
Es würde weitere Auftrage geben und weitere Lektionen, die bei diesem Meister aus dem Erlernen von Gehorsam bestanden. Die Schüler lernten, dass sie ihrem Meister immer und in jeder Situation zu gehorchen hatten. Teils waren diese Lehren nicht schmerzfrei und im Grunde war jeder froh, wenn er zum naschten Meister wechseln konnte. Denn noch verstanden sie nicht, was dies mit dem zu tun haben sollte, was sie hier eigentlich lernen wollten.

Bei diesen Gedanken und Erinnerungen musste sie lächeln. Nein, auch sie hatte damals nicht verstanden, wozu das gut sein sollte. Dennoch war sie eine fleißige Schülerin, die begierig neue Aufträge erledigte und sich von den anfänglichen Hürden nicht beirren ließ. Sie wollte lernen, was sie hier lernen konnte, und sie wusste, dass dies der beste Ort war, um es zu lernen. Inzwischen war sie auf der letzten Stufe ihrer Ausbildung angekommen und verstand, warum die ersten Lektionen ausgerechnet der höchste Meister erteilte und auch, warum dies auch die letzten Lektionen waren. Sie lehrten nicht viel anderes, als die ersten, nun aber im Kontext all dessen, was sie vorher gelernt hatte. Und nun die klare und deutliche Anweisung, das am ersten Tag erteilte Verbot zu brechen, mehr noch, die Uhr zu holen und die merkwürdige Anweisung das, was sich darin befand anzulegen. Was das zu bedeuten hatte, konnte sie wohl nur herausfinden, wenn sie der Anweisung Folge leistete. Unwillkürlich hatten sie ihre Füße schon sehr weit hinauf gebracht in diesem großen und unübersichtlichen Gebäude (dies war der Grund, warum auch die erste Anweisung stets eine Herausforderung für neue Schüler darstellte). Sie bog um die letzte Ecke und stand vor der Tür, durch die sie bisher nur einmal geschritten war.

Langsam öffnete sie diese und trat ein. Der Raum war in das warme Licht der untergehenden Sonne getaucht, bis Mitternacht war es noch geradezu lächerlich viel Zeit. Sie trat auf die Uhr zu und betrachtete sie. Erstaunlicherweise zeigte diese exakt fünf Minuten vor Mitternacht. Sie ging einmal um die Uhr herum um sie von allen Seiten zu bewundern. Dann trat sie vor sie und öffnete das Uhrglas. Innen war viel mehr Platz, als man von außen vermuten würde. Sie griff hinein und fühlte etwas Weiches, was sie langsam herausnahm. Es war ein Kleid. Nicht irgendein Kleid, nein, es war das Kleid, was nur die Absolventinnen dieser Akademie tragen durften, was all jene auszeichnete und schon von weitem sichtbar machte, die alles gelernt hatten, was man hier lernen konnte und dieses Wissen nun in der Welt anwendeten. Langsam faltete sie es auseinander und bemerkte gleich, das all die notwendigen Bänder fehlten, die das Kleid zusammen hielten. Man hatte ihr befohlen, es anzulegen und sie wusste sehr genau, wie sie das tun musste. Sie würde darunter vollkommen nackt sein. Also entkleidete sie sich langsam und streifte das unvollständige Gewandt über. Sie fühlte sich unbekleidet und verletzlich, da die Bänder, die sonst als nächstes angelegt würden, nicht vorhanden waren. Dennoch fühlte sie sich auch erhaben und stolz — es war klar, dass dies das Ende ihrer Ausbildung war, auch wenn das niemand vorher in irgend einer Weise angedeutet hatte. Doch auch das hatte sie hier gelernt und perfektioniert: die stille Sprache von Zeichen, Andeutungen und Symbolen. Sie befühlte den weichen, fließenden Stoff und bemerkte jetzt erst, dass sich in der einzigen Tasche ein Zettel befand. Sie nahm ihn heraus und las:

Suche nacheinander alle deiner Meister auf. Bei ihnen wirst du die fehlenden Bänder erhalten, wenn du würdig bist. Beginne mit dem zweiten Meister.

Nun war klar, was zu tun war so dass sie sich sofort auf den Weg machte.

Leise klopfte sie zum zweiten Mal an die Türe des letzten Meisters, inzwischen bis auf ein Band vollständig angekleidet. Es war das wichtigste Band, das das alles zusammen hielt und so verhüllte wie es sich für eine Trägerin dieses Gewandes fast immer ziemte.
Wieder musste sie warten und dachte noch einmal über ihre Prüfungen nach. Für sie waren sie nicht sehr schwer gewesen: sie musste jedem Meister vorführen, was sie bei ihm gelernt hatte. Da man die nächste Stufe erst erreichen konnte, wenn man das Gelernte auch wirklich beherrschte und auch danach immer wieder übte, war es mehr ein Ritual als eine wirkliche Prüfung gewesen. Jeder Meister hatte ihr am Ende für ihre Anwesenheit gedankt und ehrfürchtig dem Gewand sein Band hinzugefügt. Dennoch war es anstrengend gewesen, besonders, da sie zwischendurch keine Pause hatte. Es war kurz vor Mitternacht und sie war gespannt, was sie im letzten Raum erwarten würde.
Herrein erklang die ruhige, kühle Stimme des letzten Meisters.
Sie trat ein.

Der Raum war in warmes Licht von vielen Kerzen getaucht, was ihn völlig anders wirken ließ, als sie es gewohnt war. In der Mitte standen in einem Kreis alle Meister und schauten erwartend zu ihr herüber.
Komm näher.
Sie tat, wie ihr der Meister geheißen hatte bis sie direkt in der Mitte des Kreises stand der sich nun geschlossen hatte.
Du bist hier um das letzte Band auf deinem Weg zu erhalten. Die Prüfung, die dich hier erwartet, wird sich von allen vorangegangenen unterscheiden. Du wirst sie bestehen und danach keine Schülerin von uns mehr sein. Wir entlassen dich in die Welt und wünschen dir, dass du dort glücklich wirst. Solltest du irgendwann hierher zurückkehren, so nur als Meisterin und erst, wenn die viel mehr Erfahrung gesammelt hast als du bisher hast. Und nun lasst uns beginnen!
Sie wusste nicht wie, doch bei den letzten Worten des letzten Meisters löschten sich alle Kerzen. Viele Hände griffen scheinbar willkürlich und doch nach einem seltsamen Muster nach ihr. Einige hielten ihr Augen und Mund Nase zu, andere schienen sie anzuheben. Sie spürte, wie ihr das letzte Band angelegt wurde, doch nicht so, wie es üblich war, sondern so, dass sie sich nicht mehr bewegen konnte. Sie wehrte sich nicht, ließ alles mit sich machen, doch mehr weil ihr keine andere Wahl blieb, als weil sie sich nicht wehren wollte. Dann wurde es schwarz.

Verfasst von: faucone | 2. 12. 2008

Tagesgedanken

  • Die Frage, die ich mit ja beantworten muss, ist nicht: Kann ich das Lernen? Die Frage ist: Lerne ich das?
  • Teekochen verlangt Aufmerksamkeit, Konzentration, Hingabe, Respekt und Liebe
  • Ordnung schafft Raum für neue Ideen
  • Lost and (hopefully) refound
  • 1.12. — der erste Adventskalenderoutput :)
  • Neue Erfahrung: Spaß an der Mechanik des Schreibens
  • Es gibt Dinge, von denen weiß man, dass sie geschehen werden, auch wenn sie bis zu ihrem Eintreten völlig unwahrscheinlich scheinen.
  • Plan für die nächste Woche: größere Achtsamkeit auf die gesunden Dinge des Lebens — Essen, Schlafen, Erholen, Glücklichsein
  • Stroke of insight hit me, after I thought about it for two hours and wrote three pages — why do I still need to formulate this damn text?

Mehr davon findet ihr übrigens hier.

Verfasst von: faucone | 11. 11. 2008

Bild

Verfasst von: faucone | 11. 9. 2008

Ich wäre gern mehr wie du!

Weil du Vorstellungen hast, die ich nicht habe, weil du Ziele hast, die ich nicht habe, weil du Wünsche hast, die ich nicht habe, weil du Dinge tust, die ich nicht tue, weil du Ideen hast, die ich nicht habe, weil du Dinge kannst, dich ich nicht kann, weil du Ideale hast, die ich nicht habe.

Dafür mag ich dich.

Verfasst von: faucone | 31. 8. 2008

Schreiben

„Schreib etwas!“, sagte Sie.

Etwas schreiben, ich? Ich, der ich um Schreibwarenläden einene Bogen machte, wie die Maus um die Mausefalle. Ich, dessen Häde schon vom Anblick eines Füllhalters blau wurden, ich, der ich schon in der Grundschule immer eine Vier im Schönschreiben hatte. Eine Vier. Unfähig.

Ich erfüllte Ihr gern Ihre Wünsche, doch diesmal musste Sie wohl ohne auskommen. Dabei hatte Sie sich am Telefon so vergnügt angehört, so unbeschwert, so, als sei dies die einfachste Sache der Welt. Ich hatte Ihr meine Zweifel erklärt, Sie gewarnt, es würde grausam werden, Sie angefleht, Sie angeschrien. „Nein“ hatte Sie gesagt, „das ist diesmal mein einziger Wunsch.“ Ich solle hinaus gehen, spazieren, mich mit anderen Leuten treffen oder mir ein stilles Plätzchen suchen. Ich könne aufscheiben, was ich dachte, was ich fühlte, was ich erlebte, was andere dachten, fühlten, erlebten. „Du kannst das!“ und dann legte Sie auf.

Ich verstand Sie nicht.

Es war nicht so, dass ich es nicht versuchte. Schon die ganze Woche war ich unterwegs gewesen, war durch die Straßen gegangen, hatte Leute getroffen, hatte das Museum und das Kino besucht. War mal schnell, mal langsam gelaufen, mal auf belebten Boulevards, dann wieder in einsamen Seitengassen. War mit der U-Bahn in andere Stadteile gefahren, war früh aus dem Haus gegangen, den ganzen Tag unterwegs gewesen und abends wiedergekehrt. Unverrichteter Dinge. Ich verstand einfach nicht, was man über diese Stadt, über dieses Land, über diese Welt hätte schreiben können. Die Ampel wird rot, also hält das Auto an. Es wird Herbst, also werden die Blätter braun und fallen von den Bäumen. Das Kind fällt hin, also weint es und wird von der Mutter getröstet. Das war alles so trivial! Nein, dann lieber Ihren Wunsch nicht erfüllen, dann lieber gar nichts schreiben.

Aber…

Das konnte es doch nicht gewesen sein. Ich musste doch einfach etwas übersehen haben. Heute war mein letzter Tag und ich wollte es noch einmal probieren. Wenn es heute nicht klappte, war es unmöglich, eine unlösbare Augabe, und vor allem war ich nicht derjenige, der sie lösen konnte. Ein Versuch noch und der musste an einem wirklich besonderen Ort geschehen. Ich überlegte. Welcher Ort war in einer Stadt wirklich außergewöhnlich und, wichtiger, wo war ich noch nicht gewesen? Ich breitete den Stadtplan vor mir aus und markierte, was ich alles schon besucht hatte. Nein, das war unbefriedigend und nicht der Schlüssel. Als nächstes betrachtete ich die eingezeichneten Koordinaten, fuhr sie ab, aber auch hier war kein besonderer Ort zu entdecken. Dann fiel es mir ein. Natürlich. Das war die Lösung. Einfach, und doch musste das der Ort sein, den ich heute aufsuchen würde. Ich musste den Mittelpunkt der Stadt ermitteln. Den Punkt, von dem jeder andere Punkt der Stadt den kleinsten Abstand hatte. Nun war die Sache einfach, ich tippte ein paar Gleichungen in meinen Computer, machte mich ausgehfertig, während er rechnete und wartete gespannt auf das Ergebnis. Es lag an einer Kreuzung. Nun, der Computer hatte es gesagt, also markierte ich die Stelle auf dem Stadtplan, suchte mir die kürzeste U-Bahnverbindung heraus und machte mich auf den Weg.

Von der U-Bahnstation, an der ich ausstig, würde ich noch ein kleines Stück zu Fuß gehen. Ich nahm die Rolltreppe und als ich oben ankam, musste ich erst einmal blinzeln. Ich war in eine der nobelsten Gegenden dieser Stadt geraten. Natürlich hatte ich gewusst, dass es hier reiche Leute gab, sehr reiche Leute, aber dass mich meine Suche ausgerechnet in ihre Nähe führen würde, das hatte ich nicht erwartet. Dennoch. Hier ganz in der Nähe war der Mittelpunkt der Stadt, und ich würde ihn besuchen. Ich lief los, was hier eine sehr außergewöhnliche Art der Fortbewegung zu sein schien, denn obwohl mir in der ganzen Stadt immerzu Menschen auf den Bürgersteigen begegnet waren, sah ich nicht einen. Ich ging vorbei an großen Villen, hohen Zäunen mit Alarmanlagen, dahinter große Hecken, damit man auch ja nicht sah, wer sich hier verbarg. Zu einigenGrundstücken war nicht einmal ein Eingang zu sehen. Alles war sauber und ordentlich, die Bürgersteige gefegt, die Straßenbäume verschnitten, die Straßen makellos asphaltiert. Trotzdem war es eine gespenstige Gegend, denn es gab keine sichtbaren Menschen. Alle versteckten sich vor dem Anblick der Welt in ihren großen, mächtigen Festungen. Ich war froh, als ich in die Straße einbog, auf der mein Ziel lag.

Schließlich sah ich die Kreuzung vor mir. Und zum zweiten Mal am heutigen Tag war ich sprachlos. Hier, in diesem aalglatten Stück Welt, an der Kreuzung, die ich gesucht und gefunden hatte, hier gab es einen Spielplatz. Aufgeregt nahm ich noch einmal meinen Plan zur Hand. Nein, es bestand kein Zweifel. Dieser Spielplatz lag im Mittelpunkt der Stadt. Langsam ging ich auf sein Tor zu. Dieser Gegensatz überwältigte mich. Dann begann ich zu begreifen. Trivial. Aber…

Immer mehr Gedanken sammelten sich in meinem Kopf, ich setzte mich auf eine Bank, nahm Papier und Bleistift heraus. Ich blieb bis zum Abend, dann war ich vollkommen erledingt und sehr zufrieden. Ich fuhr zurück, packte meine Sachen, am nächsten Tag verließ ich die Stadt.

„Schreib etwas.“ Schreib mir etwas. Ihr. Und dem Rest der Welt.

Was ist der Mensch?

Wikipedia sagt uns:

Der Mensch (Homo sapiens) ist innerhalb der biologischen Taxonomie ein Säugetier aus der Ordnung der Primaten (Primates). Er gehört zur Unterordnung der Trockennasenaffen (Haplorhini) und dort zur Familie der Menschenaffen (Hominidae).

Ein ziemlich interessanter Platz, den uns die Evolution da verschafft hat, will mir scheinen. Apropos:

Die Entwicklung des Menschen, die Hominisation, führte über die Hauptstufen Ardipithecus ramidus, Australopithecus afarensis, Homo habilis, Homo erectus, Homo heidelbergensis und Homo sapiens zum Homo sapiens sapiens

Jetzt kennen wir zu unserem Platz auch unsere Herkunft. Doch wie wäre es damit:

Der menschliche Körper ist ein kompliziertes Gebilde, das zu 60 bis 70 % aus Wasser, etwa 20 % Proteinen, 15 % Fetten und 5 % Mineralen und anorganischen Stoffen besteht. Ein erwachsener Mensch hat eine typische Körpergröße zwischen 150 cm und 200 cm. Wie bei anderen Wirbeltieren auch, lässt sich der Körper anatomisch strukturieren in einen Stütz- und Bewegungsapparat, die inneren Organe, das Nervensystem und die Sinnesorgane.

Also ein Haufen wohlgestaltete Chemie, die anderswo in ählicher Form auftaucht. Auch nicht schlecht. Aber alles nicht so besonders, oder?

Unter den Lebewesen zeichnen den Menschen vor allem zahlreiche kognitive Fähigkeiten aus. Diese konstituieren letztlich die menschliche Kultur und Gesellschaft sowie die Fähigkeiten zur Reflexion und Transzendenz.

Na Bitte. Ein bisschen besonders darf schon sein. Kognitive Fähigkeiten also:

Zu diesen Fähigkeiten werden etwa Wahrnehmung, Denken, Lernen, Motorik und Sprache gezählt.

All diese wiederum einzeln zu erklären würde etwas abschweifen, zumal die ersten Leser dieses Eintrages wissen werden, wovon die Rede ist. Und sonst? Kultur?

Kultur ist im weitesten Sinne alles, was der Mensch selbst gestaltend hervorbringt

Klingt einleuchtend, dass dies den Menschen hervorhebt. Wenden wir uns daher der Gesellschaft zu:

[...] erforschen Soziologen das soziale Zusammenleben der Menschen in Gemeinschaften und Gesellschaften. Dazu fragen sie nach dem Sinn und den Strukturen von deren sozialem Handeln (Handlungstheorie) sowie nach den damit verbundenen Werten und Normen. Sie untersuchen zum einen die Gesellschaft als Ganze, zum anderen ihre Teilbereiche

Es gibt also größere Zusammenhänge. Gibt es keine kleinere Ebene?

Der Mensch wird nicht geboren, sondern erzogen

Auch ein interessanter Ansatz. Stellt sich also schließlich folgende Frage:

Ist das der Mensch?

Mein Gefühl sagt mir oft, dass das nicht alles sein kann, das es mehr gibt, dass wir mehr sind als die Summe aller Teile. Also wäre es spannend zu erforschen, wie das alles zusammen hängt, wie uns das (und vielleicht noch anderes) zu dem macht was wir sind. Und uns vielleicht so der Frage näher bringt, was das ist.

Jede Wissenschaft hat eigene Methoden, eigene Ansätze, eigene Ideen und Voraussetzungen. Diese zu vereinen ist nicht einfach, wie ich an meinem eigenen Studiengang sehe. Allerdings sehe ich andererseits gerade hier das Potential eines modernen Studienganges. Weiß jemand, ob dies in der irgendeiner Form schon versucht wurde? Ob es einen Studiengang „Menschenwissenschaften“ gibt? Mir ist keiner bekannt, doch interessieren würde er mich schon einigermaßen.

Und was müsste der beinhalten? Viel von dem oben Angesprochenen gibt es in ähnlicher Form schon in einem Biologie Studium, allerdings auf alle Lebewesen bezogen. Ich stelle mir daher eine Art Humanbiologie vor, die all die Bereiche der Biologie vereint, die für den Menschen ebenso von Bedeutung sind. Und alles, was sonst noch fehlt ;) . Vorschläge erwünscht!

Verfasst von: faucone | 18. 5. 2008

Hallo Welt?

Was schreibt man in einen ersten Blogeintrag? – Eine Frage, die sich jeder Blogschreibende mindestens einmal stellen muss. Über das Warum, das Was, das Wie, das Wer? Ich fand sie jedenfalls nicht ganz einfach zu beantworten und habe mich schließlich für folgendes entschieden:

Variante kurz, und schmerzlos.

Warum: In einem Studiengang, der oft formelles und strukturiertes Denken verlangt, kommt das verbale Ausdrücken eigener Gedanken, Gefühle oder Fragen, die in gewisser Weise anders sind, oft etwas kurz. Es soll ein Versuch sein, zu formulieren, was ich denke, ohne eine andere Beschränkung als die Sprache selber.

Was: Das, was sich ausgesprochen häufig in meinem Kopf wieder findet: Fragen. Beispiele werden in den Einträgen folgen, auch soll dieses Kriterium keineswegs immer gelten müssen, aber es soll ein rötlicher Faden sein. Und ansonsten lasse ich mich selber überraschen.

Wie: Fragen suchen im allgemeinen Antworten. Zu einigen Fragen werde ich Antworten wissen, zu anderen haben und wieder andere werden ohne Antwort bleiben. Ich werde mich aber immer über Antworten freuen. Und über neue Fragen.

Wer: Lasst euch überraschen ;) . Und da man sich am besten über seine Handlungen charakterisiert und einen das Web mehr oder minder zur Untätigkeit verdammt, werde ich euch weiter schicken, seine Untiefen zu ergründen. Zu Links und Blogs, die etwas von mir zeigen, und letztere oft von Leuten, die mich nicht ausschließlich virtuell kennen.

So. Fehlt eigentlich nur noch, dass das ganze ein Versuch ist, von dessen Gelingen ich nicht überzeugt bin. Aber man wird sehen.

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